Mein Paradies hat einen Namen: Mari Mari

Es gibt einen Ort in meinem Kopf, den ich schon recht lange mit mir herumtrage. Es ist ein Ort, an dem ein ganz besonderes Licht durch die Palmen scheint. Wo der Sand so pulverweich ist, dass er fast schon an den Füßen kitzelt. Das Meer so türkis, dass man gar keine Sonnenbrille aufsetzten will, um die Farbe nicht zu verfälschen. Am Strand sitzen Menschen und lassen sich die Wellen um die Zehen tanzen. Sie lachen und die Sonne taucht ihre Köpfe in einen goldenen Schimmer. Dieser Ort ist eine Idee. Die Idee von meinem kleinen Paradies.

Schon seit einigen Jahren wird das Bild dazu in meinem Kopf klarer, gewinnt an Details. Vielleicht hast du selbst so einen Ort im Kopf, der diesem möglicherweise ganz ähnlich ist. Ich war oft an Stränden, die der Sache schon ziemlich nahe kamen. In Thailand zum Beispiel auf Koh Phangan oder in Goa, Indien. Als ich aber an diesem einen Morgen, der mein Geburtstag ist, in Malaysia aufwache, geweckt von einem Gecko, der mir aus drei Zentimeter Entfernung ins Ohr schrie, da lächele ich, denn mein Paradies hat einen Namen bekommen: „Mari Mari“.

Mari Mari, das ist ein kleines Resort, in einer Bucht an einem Strand mit Pulversand und türkisfarbenem Wasser. Doch dieser Ort ist ganz real. Wir befinden uns in Malaysia auf der Insel Perhentian Kecil am Pentani Beach. Meine Liebesgeschichte mit diesem Ort beginnt ganz romantisch, so wie es sich gehört, denn es war Liebe auf den ersten Blick. Wir sind schon ein paar Tage auf Kecil und haben unser Lager an der Coral Bay bezogen. Dort schauten wir den Besitzern der Unterkünfte beim Vorbereiten der Saison zu, denn diese sollte offiziell erst in ein paar Tagen beginnen. Wir schlendern am Strand vorbei, besuchen Katzenbabys und Warane im Resort nebenan, schlemmen uns durch Restaurants und schauen Filme im Strandkino. Wir spazieren durch den Dschungel zum Long Beach, der noch ganz verschlafen daliegt. Die Ruhe vor dem Sturm, denn bald soll sich dieser Strand zur Partymeile entpuppen. Wir machen Schnorchelausflüge und erkunden die Insel nach Norden und Süden. Bei einer dieser Touren in den Süden der Insel stiefeln wir die Strände an der Westküste entlang, einer schöner als der andere. Große runde Felsen, weißer Strand und seichte Wellen. Hier und da raschelte ein Waran durch das Gestrüpp und ich erschrecke jedes Mal zu Tode, wenn wieder eine Riesenechse mit fliegenden Beinen davonrennt.

Das Mari Mari begrüßt uns mit bunten Bojen, die an Fischernetzten hängen. Mit Schiffstauen, die um Baumstämme gewickelt sind und Muschelwindspielen, die im Wind klimpern. Aus der Küche strömt der Duft von Gebratenem und vor uns steht ein junger Mann mit einem Grinsen auf den Lippen, das so breit ist, dass es gar nicht ganz auf sein Gesicht passen will. Wir bleiben auf einen Kaffee, lassen uns den Wind um die Nase wehen und genießen die Ruhe. Eine Eidechse mit zackigem Kamm leistet uns Gesellschaft und beobachtet uns neugierig mit ihren schwarzumrandeten Augen. Ich merke schnell: Das ist es. Hier will ich länger bleiben. Dieser Ort passt nicht nur erschreckend zu dem in meinem Kopf, ich merke es am ganzen Körper: Dieser Ort tut mir gut.

Im Schutz der Bäume stehen ein paar Strandhütten. Sie sind einfach, aber wunderschön. Sie sind bunt und aus Recyclingmaterialien gebaut, an den Ecken des Dachs hängen Muschelmobilees. Es gibt kleine Terrassen vor jeder Hütte mit Hängematten und innen, da sieht man überall die Liebe zum Detail. Die Regale sind aus angemaltem Treibholz, auf dem Fensterbrett liegen Korallen und über dem Bett hängt ein Netz, durch das ganz sicher keine Spinne krabbeln kann. Die Duschen krönt der Sternenhimmel und die Seife liegt in Muschelschalen. Wir fragen nach, ob es noch Platz für uns gibt aber leider sind zu diesem Zeitpunkt alle Hütten belegt. Doch wir gehen mit einer Telefonnummer und der Hoffnung, dass in ein, zwei Tagen etwas frei wird.

Und tatsächlich, zwei Tage später versuchen wir unser Glück, rufen an und bekommen die Nachricht, dass wir sofort kommen können. Wir brauchen keine zehn Minuten zum Packen, fünf Minuten, um ein Wassertaxi zu organisieren und weitere zehn Minuten, bis wir Pentani Beach mit dem Boot erreichen. Und jetzt, als ich an diesem Morgen aufwache, öffne ich die Augen mit einem Lächeln im Gesicht. Es ist mein Geburtstag und ich verbringe ihn mit der Gewissheit, dass ich an keinem Ort lieber wäre, als an diesem. Kerry, die gute Fee, Köchin und „Mama“ vom Mari Mari überrascht mich mit einem Geburtstagsfrüchteteller und am Ende lädt mich Bev, ein Tauchlehrer und Künstler, zum Nachtschnorcheln ein.

Als wäre ich nicht glückselig genug, verknalle ich mich beim Schnorcheln Hals über Kopf in die Unterwasserwelt, auch wenn es mir zu Beginn ein wenig mulmig zu Mute ist. Am nächsten Tag toppe ich das nächtliche Schnorcheln mit einer Begegnung der besonderen Art. Während ich über blühende Korallenfelder schwimme, schwimmt neben mir ein Riffhai. Ich folge ihm und die Ruhe, die dieses majestätische Tier ausstrahlt ist überwältigend. Mir könnte es nicht besser gehen.

Dieser Text ist in ähnlicher Form auf meinem Reiseblog „Bezirzt“ erschienen. Dort erzähle ich von all den Momenten auf Reisen, die mich begeistert haben. Folge mir nach Indien, Sri Lanka, Israel oder an den Strand von Usedom.

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