Julia Lassner: Weltreisende Bloggerin

Julia Lassner ist Weltreisende, Freigeist, Naturmensch und Hippieseele. Über 50 Länder hat sie schon bereist, auch weil sie mehrere Jahre lang auf einem Kreuzfahrtschiff arbeitete. Ihre Sehnsucht nach Freiheit und ihre Kreativität bekommt sie als Freiberuflerin unter einen Hut. Sie reist um die Welt, sammelt Geschichten, fotografiert und teilt all diese Momente und Erlebnisse auf ihrem Blog Globusliebe mit ihren Lesern. Nach vielen Jahren unterwegs ist Julia in der Eifel wieder bei ihren Wurzeln gelandet aber nur, um ein wenig zur Ruhe zu kommen, bevor es wieder auf die nächste Reise geht.

Du bist in der ganzen Welt unterwegs, hast eine Wohnung in Berlin und kommst ursprünglich aus Mayen. Wo ist für dich „zuhause“?

Nachdem ich vier Jahre lang ohne festen Wohnsitz um die Welt gereist bin, anschließend zwei Jahre in Berlin gelebt, meine Wohnung aber leider viel zu selten genutzt habe, bin ich nun an den Ort zurückgekehrt, der für mich Heimat bedeutet. Seit Februar 2017 wohne ich wieder in der wunderschönen Eifel, in der Nähe von Mayen. Hier, wo ich aufgewachsen bin, habe ich einen Rückzugsort gefunden, der mir die nötige Ruhe und Energie gibt, die ich für mein vieles Unterwegssein benötige.

Du hattest einige Zeit gar keinen festen Wohnort. Wie war das für dich?

Vier Jahre lange bin ich ohne festen Wohnsitz um die Welt gereist, habe mal hier und mal da gearbeitet und war ständig unterwegs. Diese Ungebundenheit war für mich die große Freiheit. Ich lernte loszulassen, mich von materiellem Besitz zu lösen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Nach vier Jahren Nomadendasein fehlte mir dann aber doch ein Zuhause, ein fester Ort, an den ich immer wieder zurückkehre.

Wie bist du überhaupt zum Reisen gekommen? War das immer dein Plan?

Geschichten von fernen Ländern und fremden Kulturen ließen schon meine Kinderseele leuchten. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich mit meinem Papa auf dem Sofa saß und unzählige Fotoalben wälzte. Er war in jungen Jahren derjenige, der die Welt mit dem Rucksack entdeckte. Gefühlt hat er bereits jedes Land bereist und zwar in einer Zeit, in der es weder Smartphones noch Internet gab und viele Orte touristisch noch nicht so erschlossen waren, wie sie es heute sind. Seine Abenteuergeschichten fesselten mich und ließen in mir den großen Traum von Freiheit und Reisen wachsen.

Du bloggst für deinen Reiseblog „Globusliebe“. Ist das dein Beruf oder wie verdienst du deinen Lebensunterhalt?

Das Bloggen hat als Hobby begonnen und hat sich im Laufe der Jahre zu meinem Beruf entwickelt. Ich verdiene den Großteil meines Lebensunterhaltes mit Schreiben, Fotografieren und Social Media Marketing. Dabei arbeite ich nicht nur für meinen eigenen Blog, sondern auch freiberuflich für Verlage oder Online-Agenturen. Vor ein paar Monaten habe ich außerdem meinen ersten Buchvertrag unterschrieben.

Was bedeutet für dich Heimat?

Da Heimat für mich lange Zeit nicht ortsgebunden und somit keine physische Bedeutung hatte, ist Heimat für mich eher ein Gefühl, als ein fester Ort auf dieser Welt. Heimat bedeutet für mich Geborgenheit, Sicherheit und Vertrauen. Meine Heimat ist überall dort, wo meine Herzmenschen sind.

 

 

Wie machst du das mit Freundschaften und Familie, wenn du dauernd unterwegs bist? Hast du noch Kontakte in die Heimat?

Ehrlich gesagt habe ich in meiner ursprünglichen Heimat, dem Ort, an dem ich aufgewachsen bin, kaum noch Freunde. Die Menschen, die mir wichtig sind, sind auf der ganzen Welt verteilt. Einige wohnen in Berlin, andere in Köln, Karlsruhe, im Hunsrück oder arbeiten noch immer auf Kreuzfahrtschiffen. Viele von ihnen sehe ich nur selten, aber dafür sind die Treffen dann umso intensiver.

Einen Teil meiner Familie habe ich, seitdem ich umgezogen bin, wieder ganz in meiner Nähe. Meine Mama sehe ich fast täglich und bin unendlich dankbar für diese wertvolle Zeit, die ich mit ihr verbringen kann.

Inwiefern hat dich deine Kindheit im rheinland-pfälzischen Mayen geprägt?

Früher fand ich es schrecklich auf dem Land zu wohnen. Ich hasste diese Gegend und wollte immer möglichst weit weg. Es zog mich in pulsierende Großstädte wie New York, Bangkok oder Berlin, wo möglichst viele Menschen waren und ich mich im Gewusel verlieren konnte. Heute weiß ich die Stille viel mehr zu schätzen und würde die Natur nie wieder gegen Großstadtleben tauschen wollen. Vielleicht musste ich erst einmal losziehen, um zu verstehen, wie wunderschön es in Rheinland-Pfalz ist.

Als Kind bin ich noch mit der Blechkanne zum Bauernhof gelaufen und durfte die frische Milch direkt bei der Kuh „abzapfen“. Wir spielten im Wald und durften einfach Kind sein. Ich schätze, dass daher meine Verbundenheit zur Natur kommt.

Was ist für dich typisch rheinland-pfälzisch?

Globusliebe

Typisch rheinland-pfälzisch ist für mich der Döppekooche, ein deftiges Traditionsgericht aus geriebenen Kartoffeln, Zwiebeln, Eiern, Gewürzen und normalerweise mit Speck oder Mettwurststückchen, die ich als Vegetarierin allerdings weglasse. Er wird mit ganz viel Apfelmus gegessen und war ursprünglich das Gericht der armen Leute, die sich am Martinstag im November keine Martinsgans leisten konnten.

Sprichst du den Dialekt und hast du ein Lieblingswort?

Außer dass ich ein „R“ eher wie ein hartes „Ch“ ausspreche (zum Beispiel in Garten oder Martin) und dafür von meinen Berliner Freunden immer aufgezogen werde, spreche ich keinen Dialekt und bin auch sehr froh darüber. Meine Oma spricht richtiges Mayener Platt, was selbst mir manchmal schwerfällt zu verstehen. Mein Lieblingswort ist „Krombereschlot“, was Kartoffelsalat bedeutet.

Hast du einen Lieblingsort in der Heimat?

Mein neuer Lieblingsort ist mein eigener Balkon, auf dem ich mir ein grünes Paradies mit unendlich vielen Pflanzen geschaffen habe. Hier wachsen Weinreben, Tomaten und eine kunterbunte Blumenpracht, die ich mit viel Liebe pflege. Auf meinem Balkon kann ich in aller Ruhe schreiben, während mir die Sonne ins Gesicht scheint.

Wie hat dich das Reisen verändert?

Ich bin fest überzeugt davon, dass mich das Reisen zu einem weltoffeneren Menschen gemacht hat. Ich bin toleranter und selbstsicherer geworden und habe gelernt, mich alleine in der Welt durchzuschlagen. Das Reisen hat mich aber auch zum Nachdenken angeregt, mir große Armut gezeigt und mich somit Dankbarkeit gelehrt. Ich lernte Dinge wertzuschätzen, die ich früher als selbstverständlich betrachtet habe, wie zum Beispiel eine saubere Dusche mit warmem Wasser, ein großes Bett oder saubere Wäsche. Beim Reisen wurde mir immer wieder bewusst, wie wenig ich eigentlich zum Leben und vor allem zum Glücklichsein benötige. Ich habe gelernt, dass Erlebnisse mir weitaus mehr bedeuten, als materieller Besitz und Geld und nicht zuletzt habe ich auf Reisen mehr über fremde Kulturen, Religionen und Traditionen erfahren, als mir die Schule jemals hätte beibringen können.

Was wäre aus dir geworden, wenn du in Mayen geblieben wärst?

Wäre ich von Anfang an in Mayen geblieben, würde ich wahrscheinlich heute noch bei der Zeitung arbeiten und mich tagtäglich über meinen 8-to-5 Job aufregen. Zum Glück war mein Drang nach Freiheit, der Wunsch nach Veränderung und der Ruf des Abenteuers damals so groß, dass ich gekündigt habe, um meine Träume zu verwirklichen und mir ein Leben nach meinen eigenen Regeln aufzubauen.

Welcher Ort auf der Welt hat dich am meisten beeindruckt?

Das ist eine komplizierte Frage, denn ich versuche so gut es mir gelingt, die Orte, die ich bereise, nicht mehr miteinander zu vergleichen. Wie sehr mich ein Reiseziel beeindruckt, das liegt meistens an meinen persönlichen, sehr subjektiven, Erfahrungen. In Sri Lanka hat mich beispielsweise die tiefe Spiritualität der Einheimischen beeindruckt, in Australien war es das Gefühl unendlicher Freiheit, das ich spürte, als ich 2,5 Monate mit meiner Schwester in einem alten, klapprigen Campervan unterwegs war und keine Sorgen hatte.

Und wie siehst du dein Leben in 10 Jahren? Wirst du sesshaft?

Jein. In zehn Jahren werde ich entweder noch mal so richtig losreisen, alle Wurzeln ziehen und in meinem eigenen Bus um die Welt fahren oder aber ich werde einen festen Wohnsitz haben, mich mit den Dingen beschäftigen, die mir am Herzen liegen und von diesem Ort (wo auch immer er sein mag) immer wieder in die Welt hinaus ziehen.

Und wenn du ans Alter denkst: Wo würdest deinen Lebensabend verbringen wollen?

An welchem Ort ich meinen Lebensabend verbringe, ist mir eigentlich gar nicht so wichtig bzw. habe ich davon keine genaue Vorstellung. Vielleicht ist es ein kleines Häuschen mitten in der Natur mit großem Garten und vielen Büchern. Viel wichtiger ist es mir aber, dass ich im Alter gesund und glücklich bin und auf ein erfülltes Leben zurückblicke, das ich selbstbestimmt gelebt habe.

Fotos: Julia Lassner / Globusliebe

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