Mein Sri-Lanka-Tagebuch

Ich sitze wieder einmal am Strand, um meine Gedanken festzuhalten. Es könnte mein Ritual werden, denn nirgendwo kann ich besser denken als hier. Kaum spüre ich die Wellen, die meine Füße umspülen, habe die Seeluft in und die Sonnenbrille auf der Nase, wehen meine Gedanken davon.
Ich sitze gerade am einsamen Strand in Bentota, ganz am nördlichen Ende, wo die Felsen den Strand von der nächsten Bucht trennen. Hier klettern Prachtexemplare von Krebsen auf den Steinen. Vereinzelt kommen ein paar Leute vorbei, die zum kleinen Tempel auf dem Felsen wollen oder zum Fluss dahinter. Ansonsten herrscht hier himmlische Ruhe, nichts lenkt vom Denken ab.
Abenteuer Busfahren in Sri Lanka
Gestern bin ich von Negombo über Colombo hierher nach Bentota gefahren. Das Reisen an sich, also die Fahrten mit Bus und Zug, haben mich in Indien immer am meisten gestresst. Alles voll, hektisch, unangenehme Blicke. In Colombo angekommen war ich erst einmal positiv überrascht. Ich hatte es mir rund um Bahnhof, Busbahnhof und Markt deutlich schlimmer vorgestellt. Ich führte ein bisschen Small-Talk und fand auf Anhieb den Bereich, wo die Busse gen Süden fuhren.
Die ältere Dame, die sich im Bus neben mich setzte, belehrte mich, dass ich hätte den Zug nehmen sollen und nicht den Bus, der vier Stunden braucht. Aber ich war entspannt und auch mit der Aussicht auf vier Stunden Achterbahnfahrt über die Schlaglöcher nicht aus der Ruhe zu bringen.

Meine neue Bekanntschaft erzählte pausenlos, ich verstand nur die Hälfte. Bei jeder Buddhastatue, die am Wegesrand stand, faltet sie die Hände und sprach ein kurzes Gebet. „Ist Buddha dein Gott?“ fragte sie und als ich nach kurzem Zögern mit „Ich bin Christin“ antwortete, schien sie halbwegs zufrieden.

Es erschien mir leichter zu sein, als Diskussionen über Gott anzufangen. Religion ist hier eine große Sache. Kurze Zeit später schlief sie gemütlich mit dem Kopf auf meiner Schulter ein.

Ich schaute aus dem Fenster, sah immer wieder die schöne Küste und die kleinen Dörfer und träumte vor mich hin. Dabei wachte stets Lakshmi über mich, die hinduistische Göttin des Glücks, der Schönheit,  Liebe und des Wohlstands. Vielleicht hatte sie ihre Finger im Spiel und mir Glückseligkeit gebracht.

Als ich merkte, dass wir bereits nach zwei Stunden kurz vor Bentota waren, weckte ich meine Sitznachbarin und quetschte mich durch die Sitzbank. Während ich mein Rucksackmonster in den Gang hieve, legte der Fahrer eine abrupte Bremsung hin und ich fiel halb durch den Bus in die Arme eines jungen Mannes. Alles lachte, ich lief hochrot an, aber winkte freundlich beim Aussteigen.

Ein Stückchen Pfalz in Sri Lanka

Von hier fuhr ich mit dem Tuk-Tuk zu Steffie. Ich wurde direkt herzlich begrüßt und gesellte mich zum Kaffeeklatsch auf die Terrasse. Abends bekam ich ein leckeres singhalesisches Essen und ein Gläschen Arrak-Cola, den lokalen Kokosschnaps, als Absacker. Am nächsten Morgen erwartete mich auf der Terrasse ein üppiges Frühstück: Eine ganze Kanne voller deutschem Kaffee, Unmengen an Toast, Marmelade, ein frischer Ananassaft und ein singhalesisches Omelett.

Ich genoss die Sonne, die durch die Palmen schien, versorgte die beiden Hunde Sheela und Oskar mit ein paar Streicheleinheiten und beobachtete die Streifenhörnchen, die hier „Lena“ heißen, wie sie über die Mauer flitzten. Das Grundstück liegt direkt am Dschungel, nicht weit vom Fluss. Affen toben in den Bäumen, die Hunde tollen herum, ab und an schaut eine Katze vorbei und abends drehen die imposanten Flughunde ihre Runden.

Das ist genau nach meinem Geschmack. Gut gestärkt machte ich mich auf zum Strand, an dem ich jetzt sitze. Und weil nicht alles schon schön genug ist, kommt auf einmal eine Hundebaby angerannt. Wir spielen kurz und dann ist der Kleine so schnell wieder verschwunden, wie er aufgetaucht ist.
Gleich laufe ich zurück und quatsche noch ein wenig mit Steffie. Morgen geht es weiter nach Hikkaduwa und von dort immer weiter gen Süden.

Mehr über Sri Lanka gibt es bei www.bezirzt.de

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