Katharina Charlotte Dittrich-Welsh: Idealistin aus Überzeugung

Foto: Markus Kilb

„Asternweg – Eine Straße ohne Ausweg“, die Dokumentation sorgte 2015 für Aufmerksamkeit. Gegenstand der Dokumentation waren die Menschen im Kaiserslauterer „Kalkofen“. Mittendrin eine junge Frau mit leuchtend roten Haaren und einem großen Herz: Katharina Charlotte Dittrich-Welsh. Mit viel Engagement kümmert sie sich um die, die Hilfe nötig haben und doch immer wieder im Stich gelassen werden. Warum Katharina immer wieder hilft? Weil sie weiß, wie schwierig das Leben manchmal sein kann.

Aufgewachsen in einer Villa mit Pool, musste sie im Laufe ihres Lebens aber auch mit prekären Situationen zurechtkommen. „Ich weiß, dass man mit Geld weder Liebe noch Zufriedenheit kaufen kann. Ich habe gelernt, dass wohlhabende Menschen genauso einsam und traurig sein können wie arme Menschen und ich weiß, dass jeder Mensch eigentlich das Gleiche möchte: Liebe und ein besseres Leben für sich und seine Familie. Wir bluten alle in der gleichen Farbe“, erklärt Katharina ihr Engagement.

Katharinas Biografie liest sich wie ein fesselnder Roman. Am 27.07.1978 wird sie in Daun in der Eifel geboren. Ihre Eltern, die aus Albessen und Oldenburg kommen, leben dann zunächst in Landau. Ein paar Monate nach Katharinas Geburt zieht die Familie nach Addis Abeba in Äthiopien. Dort bekommt Katharinas Vater seine erste Arbeitsstelle als Diplomat.
Fast vier Jahre lebt die Familie in Äthiopien bevor sie nach Ouagadougou in Burkina Faso umziehen. Dort geht sie ich auf die „English International School“, wo sie das einzige deutsche Kind der ganzen Schule ist. Es ist ein Leben voller Kontraste: Bittere Armut auf der einen Seite, Villen mit Garten und Pool auf der anderen. Kurz vor ihrem siebten Geburtstag zieht Katharina mit ihrer Mutter und ihren beiden Geschwistern nach Albessen bei Kusel und ihre Eltern lassen sich scheiden.

Mit 19 heiratet Katharina und ihr erster Sohn wird geboren. Der zweite Sohn folgt mit 22. Doch auch ihre Ehe geht in die Brüche. Sie zieht mit ihren Kindern nach Bad Münster, wo sie ihre Ausbildung als Fremdsprachenkorrespondentin für Englisch, Französisch und Spanisch absolviert. „Hier kam mir meine Zeit im Ausland sehr zugute“, weiß sie. Nach der Ausbildung kommen Katharina und ihre Kinder schließlich 2005 nach Kaiserslautern, wo sie ihren zweiten Mann kennenlernt. Mit ihm bekommt sie eine Tochter. Nach der Stadtratswahl 2014 fängt Katharina mit ihrem ehrenamtlichen Engagement im Kalkofen an.

„Ich mag Menschen einfach und ich glaube, dass ich sie gut verstehe und mich vor allem in die hineinversetzen kann, die als Außenseiter oder Verlierer gelten“, sagt Katharina zu ihrer Motivation. „Ich bin zwar vermeintlich beschützt aufgewachsen aber musste auch lernen, dass das Leben ungerecht und hart sein kann. Ich fühle mit den Menschen hier im Kalkofen mit.“ Katharina wünscht sich, dass Kaiserslautern alle Schlichtwohnungsblöcke saniert. „Alle Bürger von Kaiserslautern sollen menschenwürdig leben können.“ Und dazu gehört auch ein Badezimmer. Die Schlichtwohnungen in Kaiserslautern haben dies nicht.

Der Kalkofen in Kaiserlautern hat eine lange Geschichte. Kurz nach dem ersten Weltkrieg wurden hier illegale Baracken errichtet, die später abgerissen wurden. In den 50er-Jahren wurden dann die Schlichtwohnungsblöcke gebaut, die als temporäre Notunterkünfte dienen sollten. Doch noch immer wohnen hier Menschen unter fragwürdigen Bedingungen. Für die Wohnungen ist keine Miete fällig, sondern lediglich ein Nutzungsentgelt von etwa 75 Euro, das an die Stadt geht.
Der Kalkofen ist ein Armutsviertel. Daran ändert auch die Umbenennung in Astern-, Geranien- und Veilchenweg nichts. In das Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung geriet der Asternweg durch das Fernsehen. VOX drehte eine Dokumentation, die das Leben im Brennpunkt beleuchtete. Es geht um Hoffnung, Enttäuschung und den Alltag unter besonderen Umständen. Die Dokumentation wurde mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Ob Katharina viel von den Dreharbeiten mitbekommen hat? „Ich habe die Kameraleute gar nicht wirklich bemerkt. Sie haben mich einfach bei dem begleitet, was ich immer mache“, antwortet die engagierte Rheinland-Pfälzerin.

Katharina ist 1. Vorsitzende beim asternweg e.V. Dort organisiert sie Termine mit der Stadt, macht Öffentlichkeitsarbeit, ist aber auch direkt vor Ort unterwegs und verteilt Spenden, unterstützt Leute auf ihrem Weg durch die Privatinsolvenz und bei der Arbeitssuche. In der Politik setzt sie sich für den Asternweg ein und ist zusätzlich in der Flüchtlingshilfe aktiv, wo sie ebenfalls bei der Jobsuche und bei Verwaltungsgängen hilft.
Wie schafft man es, immer wieder da zu sein, mit Rückschlägen umzugehen und den Mut nicht zu verlieren? „Nicht urteilen“ ist das Motto, was sich Katharina immer wieder vorsagt. „Klar ist man enttäuscht, wenn jemand den Job hinwirft, doch ich weiß nicht, warum die Person das getan hat und deshalb urteile ich nicht. Vielleicht hat die Frau keinen Babysitter gefunden, vielleicht wurde sie gemobbt. Und deshalb will ich nicht werten“, erklärt sie. „Mir wurde schon öfter vorgehalten, ich sei eine Idealistin“, sagt Katharina und weiter: „Vielleicht ist das so, aber mir ist es einfach wichtig zu helfen und das mache ich immer und immer wieder.“ Ihre Hoffnung ist es, dass es mehr Menschlichkeit und Gerechtigkeit in der Politik und der Gesellschaft gibt. Und dafür tut sie ihren Teil.

Privat träumt Katharina davon, wenn ihre Kinder erwachsen sind, ein Leben im Ausland zu führen. „Ein Land, drei Jahre bleiben, dann weiter“, das wäre ganz nach ihrem Geschmack. Aber Katharina hat noch mehr Träume: „Die Rallye Dakar fahren! Ich liebe das Autofahren, so wie alle Kuseler“, meint Katharina lachend. Es gibt noch viele Ideen, Wünsche und Träume, die Katharina hat. Wir sind gespannt, was als nächstes auf dem Plan steht.

Text: Julia Schattauer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.